Die weltbesten Spieler vor Einführung der offiziellen Weltmeisterschaftskämpfe


Das moderne Schach entstand etwa um 1475 vermutlich im spanischen Valencia durch Änderung der Gangart von Läufer und Dame. An diesem Prozess wesentlich beteiligt waren die Literaten Francesc de Castellví, Narcis Vinyoles, Bernat Fenollar und Francesch Vicent. Dies dürften auch die besten Spieler ihrer Zeit gewesen sein. Zeugnis dieser frühesten Entwicklungsphase ist das katalanische Schachgedicht Scachs d'amor.[1] In der Folge erschienen gedruckte Schachabhandlungen von Juan Ramirez de Lucena und Pedro Damiano, welche an diese Tradition anknüpften.[2] Um die Mitte des 16. Jahrhunderts galt der Spanier Ruy López de Segura als bester Spieler der Welt. Er wurde im Jahre 1575 am ersten internationalen Schachturnier der Geschichte am Hofe des spanischen Königs Philipps II. in Madrid vom Sizilianer Giovanni Leonardo da Cutro geschlagen.


Michail Tal

8. Weltmeister (1960 bis 1961)
Geboren am 09.11.1936 in Riga (Lettland)
Gestorben am 27.06.1992 in Moskau (Russland)

Der junge Michail Tal galt als „Feuerkopf“ unter den Schachmeistern seiner Zeit. 1960 setzte er sich gegen Weltmeister Botwinnik durch. Zur allgemeinen Überraschung gelang dem weitaus älteren Botwinnik aber dank seiner präzisen Wettkampfvorbereitung erneut die Revanche.

1960 gegen Botwinik das Ergebnis 12,5 - 8,5 Michail Botwinik verliert den Weltmeistertitel gegen Michail Tal.
1961 gegen Michail Botwinik das Ergebnis 8,0 - 13,0 Botwinik gewinnt zum dritten Mal den Weltmeistertitel gegen Michai
l Tal.

Michail Botwinik

6. Weltmeister (1961 bis 1963)
Geboren am 17.08.1911 in kuokkala (Finnland)
Gestorben am 05.05.1995 in Moskau (Russland)

Von diesem Jahr an übernahm die FIDE die Organisation der Wettkämpfe. Das neue Weltmeisterschaftsregelment sah vor, dass der Weltmeister den Titel alle drei Jahre verteidigen musste. Der jeweilige Herausforderer wurde durch Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturniere ermittelt. Bis 1963 galt zudem die Regel, dass dem Weltmeister im Falle eines Titelverlustes ein Revancherecht ein Jahr später zustehen sollte.

1961 gegen Michail Tal das Ergebnis 13,0 - 8,0 Botwinik gewinnt zum dritten Mal den Weltmeistertitel gegen Michail Tal.
1963 gegen Tigran Petrosian das Ergebnis 9,5 - 12,5 Botwinik verliert den Weltmeistertitel gegen Tigran Petrosian.

Tigran Petrosian

9. Weltmeister (1963 bis 1969)
Geboren am 17.06.1929 in Tiflis (Georgien)
Gestorben am 13.08.1984 in Moskau (Russland)

Tigran Petrosjans Vater war Hausmeister im Offiziersheim von Tiflis. Hier schaute Tigran Petrosjan den Soldaten beim Schachspielen zu, mit 12 Jahren erlernte er das Spiel selbst. Eines seiner ersten Schachbücher war Die Praxis meines Systems von Aaron Nimzowitsch, das seinen Stil prägte. Bald wurde er von dem Schachtrainer Ebralidze entdeckt und betreut. Durch den frühen Tod seiner Eltern im Jahr 1944 wurde Petrosjan Vollwaise.

Mit 17 Jahren wurde er durch einen 8:6 Wettkampfsieg gegen Genrich Gasparjan Meister der Armenischen SSR und Jugendmeister der UdSSR. 1951 belegte er in der 19. UdSSR-Meisterschaft den geteilten zweiten Platz. Seit 1949 lebte er in Moskau. 1952 bekam er den Titel eines Internationalen Großmeisters für den zweiten Platz im Stockholmer Interzonenturnier. Beim Kandidatenturnier 1953 in Zürich belegte er Platz 5, 1956 in Amsterdam und 1959 in Jugoslawien erreichte er Platz 3.

1959 gewann er erstmals die UdSSR-Meisterschaft, das zweite Mal gelang ihm dies 1961. 1962 gewann er das Kandidatenturnier in Curaçao.

Durch seinen Wettkampfsieg gegen Michail Botwinnik wurde Petrosjan 1963 Weltmeister (5 Siege, 2 Niederlagen, 15 Unentschieden). Schiedsrichter des Wettkampfs waren Gideon Ståhlberg und Harry Golombek, als Sekundanten Petrosjans fungierten Isaak Boleslawski und Alexei Suetin. Botwinnik konnte das Match bis zur 14. Partie ausgeglichen halten, verlor dann aber die 15., 18. und 19. Partie, wonach sein Widerstand gebrochen war. Botwinnik schrieb über das Match: Der neue Weltmeister unterscheidet sich in seinem Stil ganz wesentlich von anderen Großmeistern. Sich diesem Stil anzupassen, ist keine einfache Sache


1963 gegen Michail Botwinik das Ergebnis 9,5 - 12,5 Botwinik verliert den Weltmeistertitel gegen Tigran Petrosian.
1966 gegen Boris Spasski das Ergebnis 12,5 - 11,5 verteidigt Petrosian seinen Weltmeistertitel gegen Boris Spasski.
1969 gegen Boris Spasski das Ergebnis 10,5 - 12,5 verliert Petrosian seinen Weltmeistertitel gegen Boris Spasski.


Boris Spasski

10. Weltmeister (1969 bis 1972)
Geboren am 30.06.1937 in Leningrad (udssr)
Gestorben

Boris Wassiljewitsch Spasski ist ein in Frankreich lebender russisch-französischer Schachmeister. Durch den Sieg in seinem nach 1966 zweiten Weltmeisterschaftskampf gegen Tigran Petrosjan wurde Spasski 1969 der zehnte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels, bevor er 1972 dem amerikanischen Großmeister Bobby Fischer unterlag. Spasski lernte Schach bereits frühzeitig: Als 9-Jähriger trat er der Schachsektion im Leningrader Pionierpalast bei. Sein enormes Talent wurde sofort erkannt und staatlich gefördert. Neben der Bereitstellung des angesehenen Trainers Wladimir Sak erhielt Spasski ein monatliches Stipendium. Bereits als 10-Jähriger errang er den sowjetischen Spielgrad der ersten Kategorie, als 11-Jähriger gewann er die Meisterschaft seiner Schachsektion. 1952 nahm er am Halbfinale zur UdSSR-Meisterschaft in Riga teil und errang 50 Prozent der möglichen Punkte. Im gleichen Jahr wurde er Zweiter bei der Leningrader Meisterschaft.

Seine Erfolge veranlassten den sowjetischen Schachverband, ihn 1953 zu seinem ersten internationalen Turnier nach Bukarest zu entsenden. Spasski teilte Platz 4 bis 6 und erhielt daraufhin, als 16-Jähriger, vom Weltschachbund FIDE den Titel Internationaler Meister verliehen.

Seine Erfolgsserie riss nicht ab: 1954 gewann er das angesehene „Turnier der jungen sowjetischen Meister“ in Leningrad und wurde im Halbfinale zur 22. UdSSR-Meisterschaft Vierter, was ihn zur UdSSR-Meisterschaft 1955 qualifizierte. Bei der UdSSR-Meisterschaft, die zugleich ein Zonenturnier der FIDE war, gelangte Spasski auf den geteilten 2. bis 6. Platz und qualifizierte sich für das Interzonenturnier. Ebenfalls in diesem Jahr wurde Spasski in Antwerpen Juniorenweltmeister U20 und nahm in Göteborg am Interzonenturnier teil, bei dem er auf den geteilten 7. bis 9. Platz gelangte und sich somit für das Kandidatenturnier in Amsterdam 1956 qualifizierte. Für seine Erfolge verlieh ihm die FIDE 1955 den Titel eines Großmeisters.

1969 gegen Petrosian das Ergebnis 10,5 - 12,5 verliert Petrosian seinen Weltmeistertitel gegen Boris Spasski.
1972 gegen Robert James Fisher das Ergebnis 8,5 - 12,5 verliert Spasski seinen Weltmeistertitel gegen Robert James Fisher.


Rober James Fisher

11. Weltmeister (1972 bis 1975)
Geboren am 09.03.1943 in Chicago (USA)
Gestorben am 17.01.2008 Reykjavik (Island)

Danach zog sich Fischer vom Turnierschach zurück. Als er 1975 gegen den sowjetischen Herausforderer Anatoli Karpow nicht antrat, entzog der Weltschachbund (FIDE) Fischer den Titel. Es folgte nur noch ein einziger öffentlicher Schachauftritt 1992 in einem privat organisierten Wettkampf gegen Spasski. Daneben machte Fischer vermehrt mit antisemitischen und antiamerikanischen Äußerungen Schlagzeilen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Island, dessen Staatsbürgerschaft er angenommen hatte. Angesichts seiner unbestrittenen Leistungen gilt Fischer als eine herausragende Gestalt der Schachgeschichte.
Fischer kam als Kind von Regina Fischer (geb. Wender, 1913–1997) zur Welt. Seine Mutter, die in Zürich geboren und in den USA aufgewachsen war, studierte in den 1930er Jahren in Moskau Medizin. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte sie nach Amerika zurück. Juristischer Vater Fischers war Reginas deutscher Ehemann Hans-Gerhardt Fischer, den sie 1933 in Moskau geheiratet hatte und von dem sie sich 1945 scheiden ließ. Nach Spekulationen, die sich auf Berichte des FBI stützen, kann dieser aber nicht Fischers biologischer Vater sein. Letzterer war möglicherweise der ungarische Physiker Paul Neményi, der in der Zeit vor Fischers Geburt eine enge Beziehung mit Regina Fischer hatte und ihr später regelmäßig Geld überwies.[1]

Fischer wuchs zusammen mit seiner fünf Jahre älteren Schwester Joan und seiner alleinerziehenden Mutter, die als Krankenschwester arbeitete, in Brooklyn, New York, auf. Die Schachregeln erlernte er mit sechs Jahren zusammen mit Joan, die jedoch im Gegensatz zu ihrem Bruder bald das Interesse an dem Spiel verlor. Sein erster Trainer war Carmine Nigro, der Vorsitzende des Brooklyn Chess Club. 1955 nahm Fischer erstmals an der Jugendmeisterschaft der USA teil, konnte sich aber noch nicht im Vorderfeld platzieren. Ab 1956 wurde er von John W. Collins trainiert, der auch andere Nachwuchstalente wie William Lombardy und Robert Byrne betreute. Der Psychiater und ehemalige Weltklassespieler Reuben Fine, der Fischer in dieser Zeit kennenlernte, attestierte ihm später schwerwiegende, aus familiären Konflikten resultierende psychische Probleme, die zu Verhaltensauffälligkeiten führten. Laut Fine bot das Schachspiel Fischer die Möglichkeit, sich mittels seiner Erfolge für erlittene Kränkungen zu rächen und Machtphantasien auszuleben. Sein Biograf David Edmonds meint, Fischer habe als Kind deutliche Merkmale des Asperger-Syndroms gezeigt.[2]

Den Titel eines Großmeisters errang er 1958.[3] Im selben Jahr brach er mit 15 Jahren seine von ihm als nutzlos empfundene Schulausbildung an der Erasmus High School in Brooklyn ab, um sich ganz dem Schach zu widmen.
Bereits als Dreizehnjähriger wurde er der Schachöffentlichkeit durch die sogenannte Partie des Jahrhunderts (Donald Byrne gegen Fischer) bekannt. Im Alter von 14 Jahren war Fischer das erste Mal US-Champion – der bis dahin jüngste überhaupt. Zwischen 1957 und 1966 gewann er achtmal in Folge die amerikanische Meisterschaft, 1964 gelang es ihm sogar, alle 11 Partien zu gewinnen.

Der internationale Durchbruch gelang Robert James Fischer mit seinem geteilten fünften Platz beim Interzonenturnier in Portorož im August/September 1958. Fischer qualifizierte sich damit für das Kandidatenturnier 1959; außerdem wurde ihm für seinen Erfolg der Großmeistertitel verliehen.

Beim 5. Rosenwald-Turnier in New York im Dezember 1958, der US-Meisterschaft, besiegte Bobby Fischer zum ersten Mal Samuel Reshevsky, wobei er schon nach 11 Zügen eine Gewinnstellung erlangte, und wurde erneut Turniersieger. Beim internationalen Turnier in Zürich 1959 besiegte Fischer mit dem Esten Paul Keres das erste Mal einen sowjetischen Großmeister. Beim internationalen Turnier in Mar del Plata im April 1960 gewann Fischer bis auf zwei Partien alle, u. a. gegen Erich Eliskases. Im November 1960, während der Schacholympiade in Leipzig, antwortete Fischer auf die Frage eines Journalisten, wann er glaube, Weltmeister werden zu können: „Vielleicht 1963!“. Im A-Finale dieser Schacholympiade schlug er mit Max Euwe zum ersten Mal einen früheren Weltmeister. Das Turnier in Bled 1961 gewann Tal mit 14½ Punkten aus 19 Partien, einen Punkt vor dem ungeschlagenen Fischer, der die Partie gegen den Turniersieger für sich entscheiden konnte. Bei seinem zweiten Kandidatenturnier, Curaçao 1962, belegte Fischer jedoch nur den vierten Platz. Er beschuldigte die teilnehmenden sowjetischen Spieler, untereinander abgesprochene Remispartien gespielt zu haben, um ihre Kräfte dadurch für den Kampf gegen ihn zu schonen. Diese Kritik führte später dazu, dass die FIDE den Modus für Kandidatenturniere änderte und Zweikämpfe anstelle von Rundenturnieren einführte.

1965 erteilte die US-Regierung Fischer kein Visum, um am Capablanca-Gedenkturnier in Havanna teilzunehmen. Deshalb spielte er von New York aus, und die Züge wurden per Fernschreiber übermittelt. Den Piatigorsky-Cup 1966 in Santa Monica gewann Spasski mit 11½ Punkten aus 18 Partien, einen halben Punkt vor Fischer und 1½ Punkte vor Larsen.

Fischers nächster Anlauf zur Weltmeisterschaft fand 1967 beim Interzonenturnier in Sousse statt. Er führte nach acht Runden ungeschlagen vor dem späteren Turniersieger Bent Larsen und Samuel Reshevsky, die bis dahin nur 6 Punkte erspielt hatten. Er unterbrach das Turnier für zwei Runden durch Nichtantreten, stieg dann wieder in den Turnierablauf ein, siegte zwei weitere Male (u. a. gegen Reshevsky) und stieg, nachdem die Streitigkeiten mit den Organisatoren nicht beigelegt wurden, dann endgültig aus dem Turnier aus. Damit scheiterte auch dieser Anlauf auf den Weltmeisterschaftstitel schon im Vorfeld.

Viktor Kortschnoi schreibt über Fischers Beharren auf akzeptablen Turnierbedingungen in seinem 2004 erschienenen Buch Mein Leben für das Schach: „Die Schachspieler der ganzen Welt sind ihm zu Dank verpflichtet, dass Schach diese Popularität erreicht hat, dass die Preise in Turnieren erhöht wurden und dass es in Dutzenden Ländern möglich geworden ist, sich als Schachprofi zu betätigen.“

Im folgenden Qualifikationszyklus setzte sich Fischer jedoch durch. 1970 gewann er überlegen das Interzonenturnier in Palma de Mallorca und 1971 die anschließenden Kandidatenwettkämpfe gegen Mark Taimanow, Bent Larsen und Tigran Petrosjan. Im Viertelfinale gegen Taimanow und im Halbfinale gegen Larsen gewann er jeweils mit dem sensationellen Ergebnis von 6:0. Auch den Exweltmeister Petrosjan schlug er im Finale deutlich mit 6½:2½. Fischer gelang es in diesem Zyklus, 20 Partien nacheinander zu gewinnen: zunächst die letzten 7 Runden in Palma de Mallorca, dann 6 Partien gegen Taimanow, anschließend 6 Partien gegen Larsen und schließlich die erste Partie gegen Petrosjan.

Den Titel des Schachweltmeisters eroberte er 1972 in Reykjavík in einem legendären Wettkampf gegen Boris Spasski. Obwohl der Zweikampf wegen Fischers exzentrischen Verhaltens mehrfach kurz vor dem Scheitern stand und Fischer sogar eine Partie kampflos verlor, gewann er schließlich nach 21 Partien mit 12½ : 8½. Die Vorentscheidung fiel in der 13. Matchpartie, als es Fischer mit Schwarz gelang, ein Endspiel mit Turm und 5 Bauern gegen Turm, Läufer und Bauer nach hartem Kampf zu gewinnen. Es bedurfte allerdings einiger Überredungskunst, um Fischer überhaupt zum Spielen zu bewegen: Henry Kissinger rief ihn an und der britische Millionär James Slater erhöhte das Preisgeld.

1972 gegen Robert James Fisher das Ergebnis 8,5 - 12,5 verliert Spasski seinen Weltmeistertitel gegen Robert James Fisher.
Nachdem Fischer zum Weltmeisterschaftskampf 1975 nicht angetreten war, wurde Herausforderer Karpow von FIDE-Präsident Euwe kampflos zum Weltmeister proklamiert.


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