Die weltbesten Spieler vor Einführung der offiziellen Weltmeisterschaftskämpfe


Das moderne Schach entstand etwa um 1475 vermutlich im spanischen Valencia durch Änderung der Gangart von Läufer und Dame. An diesem Prozess wesentlich beteiligt waren die Literaten Francesc de Castellví, Narcis Vinyoles, Bernat Fenollar und Francesch Vicent. Dies dürften auch die besten Spieler ihrer Zeit gewesen sein. Zeugnis dieser frühesten Entwicklungsphase ist das katalanische Schachgedicht Scachs d'amor.[1] In der Folge erschienen gedruckte Schachabhandlungen von Juan Ramirez de Lucena und Pedro Damiano, welche an diese Tradition anknüpften.[2] Um die Mitte des 16. Jahrhunderts galt der Spanier Ruy López de Segura als bester Spieler der Welt. Er wurde im Jahre 1575 am ersten internationalen Schachturnier der Geschichte am Hofe des spanischen Königs Philipps II. in Madrid vom Sizilianer Giovanni Leonardo da Cutro geschlagen.


Anatoli Karpov

12. Weltmeister (1975 bis 1985)
Geboren am 23.03.1951 in Slatoust (Russland)
Gestorben

Nachdem Fischer zum Weltmeisterschaftskampf 1975 nicht angetreten war, wurde Herausforderer Karpow von FIDE-Präsident Euwe kampflos zum Weltmeister proklamiert.

Vom 16. Juli bis zum 17. Oktober 1978 verteidigte Karpow in Baguio auf den Philippinen seinen Titel gegen den 20 Jahre älteren Viktor Kortschnoi. Dieser war schon sein Finalgegner um die Herausforderung Fischers gewesen. Die FIDE änderte das Reglement – nicht mehr 24 Partien wurden gespielt, sondern ein Match auf 6 Gewinne, Remis zählten nicht. Das Endergebnis lautete 16,5:15,5 (+6, −5, =21) für den Titelverteidiger.

Ein 1984 begonnener Weltmeisterschaftskampf gegen Garri Kasparow wurde Anfang 1985 nach einer Vielzahl von Partien (48 Partien) abgebrochen. Man spielte, wie 1978 und 1981, auf sechs Gewinne, Remis zählten nicht. Ergebnis zum Zeitpunkt des Abbruchs: 5:3 (+5, −3, =40). Spielort war seit 1969 erstmals wieder Moskau. Der Wettkampf begann am 10. September 1984 und wurde am 15. Februar 1985 vom FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes entgegen FIDE-Reglement beendet. Bei Abbruch des Wettkampfes lag Karpow zwar in Führung, war aber sichtlich angeschlagen, so dass der Abbruch allgemein als eine Begünstigung des Weltmeisters gegenüber seinem jungen Rivalen angesehen wurde. Andererseits konnte Campomanes vorbringen, dass ein Fall wie der vorliegende, Dutzende von Remispartien, in der Satzung einfach nicht behandelt würde, und dass nun mit 48 Partien genau die doppelte Anzahl eines bisherigen Weltmeisterschaftskampfes gespielt wurde und somit der beste Zeitpunkt für einen Abbruch vorläge. Auch könne nicht einfach weitergespielt werden, bis ein Kämpfer körperlich Schaden nehme. Dies sei nicht das Wesen des Schachs.

1978 gegen Viktor Kortschnoi das Ergebnis 16,5 - 15,5 verteidigt Antatoi Karpov seinen Weltmeistertitel gegen Kortschnoi.
1981 gegen Viktor Kortschnoi das Ergebnis 11,0 - 7,0 verteidigt Antatoi Karpov seinen Weltmeistertitel zum zweiten Mal gegen Kortschnoi.
1985 gegen Gary Kasparov das Ergebnis 11,0 - 13,0 verliert Antatoi Karpov seinen Weltmeistertitel gegen Kasparov.


Garri Kasparov

13. Fide Weltmeister (1985 bis 1993)
Geboren am 13.04.1963 in Baku (Aserbaidschan)
Gestorben

Kasparow qualifizierte sich in den Kandidatenkämpfen 1983/84 in überzeugender Manier als Herausforderer des Weltmeisters. Im Viertelfinale schlug er in Moskau Alexander Beliavsky mit 6:3, im Halbfinale in London Viktor Kortschnoi mit 7:4 und im Finale in Vilnius Ex-Weltmeister Wassili Smyslow mit 8,5:4,5. Kasparows erster Wettkampf gegen Anatoli Karpow um die Weltmeisterschaft begann am 10. September 1984 in Moskau. Gespielt wurde in dem Modus, der seit der WM 1978 üblich war: Weltmeister sollte werden, wer zuerst sechs Partien gewann, Remis zählten nicht. Nachdem Karpow überzeugend mit 4:0 in Führung gegangen war, wechselte Kasparow seine Wettkampftaktik. Anstatt weiter ungestüm – und erfolglos – anzugreifen, spielte er auf Remis und wollte möglichst lange standhalten. Karpow schaffte nach einer langen Remisserie einen fünften Sieg, doch dann machten sich beim Weltmeister Erschöpfungserscheinungen bemerkbar. Er wurde körperlich wie psychisch immer erschöpfter, nahm 11 Kilogramm ab und wurde mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert, während Kasparow fit blieb.

Kasparow bei der Krönungszeremonie zum Weltmeister 1985.

Kasparow kam in wenigen Partien bis auf 5:3 heran, ehe am 15. Februar 1985 nach 48 Partien und über 300 Spielstunden das Match abgebrochen wurde. Der Match-Abbruch geschah unter bis heute ungeklärten Umständen auf Betreiben des damaligen FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes, der ihn offiziell mit Rücksichtnahme auf die Gesundheit beider Spieler begründete. In seiner Autobiografie von 1987 (Politische Partie, ISBN 3-426-26314-9) beschuldigte Kasparow Campomanes, seinen Kontrahenten Anatoli Karpow und die Schachverantwortlichen der UdSSR des Komplotts gegen ihn. Gleichzeitig gab er aber auch zu, dass seine Chancen auf den Titel durch den Abbruch erheblich gestiegen seien. Die FIDE setzte für den Oktober 1985 eine Wiederholung des Wettkampfes, wieder in Moskau, unter verändertem Modus an. Sieger sollte sein, wer als erster 12,5 Punkte erzielt, dem Weltmeister aber reichte ein 12:12 zur Titelverteidigung. Im zweiten WM-Kampf 1985, der auf 24 Partien begrenzt war und bei dem die Remispartien wieder gezählt wurden, siegte Kasparow mit 13:11 und wurde am 9. November 1985 der 13. und bis heute jüngste Weltmeister in der Geschichte des Schachs.

Garri Kasparow verteidigte seinen WM-Titel erfolgreich in drei weiteren Begegnungen mit Karpow: 1986 kam es in London (erste 12 Partien) und Leningrad (letzte 12 Partien) zu einem Revanchewettkampf, nachdem die FIDE überraschend das Revancheprivileg des Weltmeisters wieder eingeführt hatte (dieses war 1963 abgeschafft worden). Kasparow verteidigte seinen Titel mit 12,5:11,5. 1987 spielten die beiden Kontrahenten ihren Wettkampf in Sevilla: Erst durch einen Sieg in der 24. Partie gelang Kasparow ein 12:12 und die Titelverteidigung. 1990 war Karpow durch die Kandidatenkämpfe erneut qualifiziert. Den je zur Hälfte in New York City und Lyon ausgetragenen Wettkampf gewann Kasparow mit 12,5:11,5.

1985 gegen Weltmeister das Ergebnis 13,0 - 11,0 verliert Antatoi Karpov seinen Weltmeistertitel gegen Kasparov.
1986 gegen Anatoli Karpov das Ergebnis 12,5 - 11,5 verliert erneut Antatoi Karpov gegen Kasparov.
1987 gegen Anatoli Karpov das Ergebnis 12,0 - 12,0 Unentschieden .
1990 gegen Anatoli Karpov das Ergebnis 12,5 - 11,5 verliert Antatoi Karpov gegen Kasparov.

Geteilter Weltmeistertitel 1993–2006 [Bearbeiten]
Geteilter Weltmeistertitel 1993–2006

1993 kam es zum Bruch zwischen Kasparow und der Weltschachorganisation FIDE. Kasparow weigerte sich, unter den finanziellen Bedingungen der FIDE erneut um die Weltmeisterschaft zu spielen, und wurde daraufhin gemeinsam mit Nigel Short, seinem Herausforderer für 1993, von der FIDE disqualifiziert. Die beiden Spieler waren in der Folge maßgeblich an der Gründung eines eigenen Schachverbandes, der Professional Chess Association (PCA), beteiligt. Hiernach wurden in beiden Verbänden rivalisierende Weltmeister ermittelt.


Garri Kasparov

1. PCA Weltmeister (1993 bis 2000)
Geboren am 13.04.1963 in Baku (Aserbaidschan)
Gestorben

PCA Weltmeisterschaft

1993 gegen Nigel Short das Ergebnis 12,5 - 7,5 gewinnt Kasparov den ersten PCA-Weltmeistertitel gegen Nigel Short.
1995 gegen Viswanathan Anand das Ergebnis 10,5 - 7,5 verteidigt erneut Kasparov den PCA-Weltmeistertitel gegen Anand.
2000 gegen Wladimir Kramnik das Ergebnis 6,5 - 8,5 Kasparov verliert seinen PCA-Weltmeistertitel gegen Kramnik .

Wladimir Kramnik

2. PCA Weltmeister (2000 bis 2007)
Geboren am 25.054.1975 in Tuapse (Russland)
Gestorben

PCA Weltmeisterschaft nur bis 2006

1993 gelangen Kramnik zwei Wettkampfsiege gegen Weltklassespieler: Er besiegte in Cannes den Franzosen Joël Lautier mit 4,5:1,5 (+4, =1, -1) und in Alcobendas den Spanier Miguel Illescas Córdoba mit dem gleichen Resultat (+3, =3, -0). Gemeinsam mit Viswanathan Anand und Wesselin Topalow gewann Kramnik in diesem Jahr ein Weltklasseturnier in Madrid und ihm gelang die Qualifikation für die Kandidatenkämpfe sowohl der FIDE (beim Interzonenturnier in Biel) als auch der neu gegründeten PCA (beim Qualifikationsturnier in Groningen).

1994 erwies sich allerdings für Kramnik als Jahr der Rückschläge. Nach einem Sieg gegen Leonid Judassin (4,5:2,5) im Achtelfinale der FIDE-Kandidatenkämpfe in Wijk aan Zee schied Kramnik im Viertelfinale gegen Boris Gelfand in Sanghi Nagar, Indien, mit 3,5:4,5 aus. Ebenso war das Viertelfinale im PCA-Zyklus schon Endstation für Kramnik. Er unterlag Gata Kamsky in New York City mit 1,5:4,5 (+0, -3, =3). Indessen gewann er beim Turnier in Linares erstmals eine Partie gegen Kasparow.

1995 gewann Kramnik bedeutende Turniere in Horgen, Dortmund und Belgrad. 1996 siegte er erneut in Dortmund und in Dos Hermanas (geteilt mit Wesselin Topalow, vor Garri Kasparow), außerdem gewann er ein bedeutendes Schnellturnier in Moskau, bei dem er Garri Kasparow im Finale besiegen konnte. 1997 gewann er gemeinsam mit Garri Kasparow und Pjotr Swidler in Tilburg, gemeinsam mit Viswanathan Anand in Dos Hermanas und ungeteilt in Dortmund. In diesem Jahr wurde er Zweiter, jeweils hinter Garri Kasparow, in Nowgorod und Linares. 1998 spielte Kramnik in Cazorla, Spanien, einen Wettkampf gegen Alexei Schirow, in dem der Herausforderer des 13. klassischen Weltmeisters Garri Kasparow ermittelt werden sollte. Kramnik verlor klar mit 3,5:5,5 (+0, =7, -2) und Schirow erhielt das Recht zur Herausforderung. Indes kam dieser WM-Kampf gegen Schirow aus finanziellen Gründen nie zustande. Im gleichen Jahr gewann Kramnik die Traditionsturniere in Wijk aan Zee (Corus-Schachturnier) und Dortmund und spielte einen Blitz-Wettkampf gegen Garri Kasparow in Moskau 12:12. 1999 gewann Kramnik einen Simultanwettkampf gegen die Schweizer Nationalmannschaft an 6 Brettern mit 4-2.

Sieg über Kasparow im Weltmeisterschaftskampf

2000 gewann Kramnik zunächst die Weltklasseturniere in Linares (zusammen mit Garri Kasparow) und in Dortmund (gemeinsam mit Viswanathan Anand), ehe es im Oktober 2000 in London zum Wettkampf gegen den 13. klassischen Weltmeister Garri Kasparow kam. In dem auf 16 Partien angesetzten Match siegte Kramnik ohne Niederlage vorzeitig nach 15 Partien mit 8,5:6,5 (+2, =13, -0) und wurde damit Nachfolger von Garri Kasparow auf dem Weltmeisterthron. Kasparow geriet unter Kritik, da er gegen den Verlierer des Wettkampfs Kramnik-Schirow von 1998 antrat, doch begründete er seine Wahl des Herausforderes mit Kramniks herausragenden Turnierergebnissen, seinem konstanten 2. Platz in der Weltrangliste und der ausgeglichenen Bilanz in Turnierpartien (vor dem Oktober 2000), die Kasparow gegen Kramnik aufzuweisen hatte: +3, -3, =18, während Kasparows Resultat gegen Schirow so eindeutig war (+9, =9, -0), dass Sponsoren abgeschreckt würden. Kramniks Sieg über Kasparow, wie auch die sichere Art und Weise, in der er erzielt wurde, nämlich ohne eine einzige Niederlage, verblüffte die Schachwelt. Kramnik, der bei seiner Vorbereitung auf Kasparow von den Weltelitespielern Joël Lautier, Miguel Illescas Córdoba und Jewgeni Barejew unterstützt worden ist, überraschte Kasparow vor allem mit den schwarzen Steinen. Gegen die von Kramnik mehrfach angewandte Berliner Verteidigung in der Spanischen Partie gelang es dem Titelverteidiger nicht, Eröffnungsvorteil mit Weiß zu erreichen. Die von Kramnik „ausgegrabene“ und im 19. Jahrhundert sehr populäre Variante wurde nach diesem Wettkampf erneut sehr beliebt und zu einer Standardverteidigung in den Partien der Weltelitespieler. Kramnik selbst gab an, diese sehr anspruchsvolle und auf tiefem Positionsgefühl und -verständnis basierende Verteidigung sei für Schachprogramme nicht zu „verstehen“. Dieser Vorteil habe sich gegen Kasparow, der in seiner Vorbereitung besonders die Unterstützung der Programme bei der Variantenberechnung nutze, als ausschlaggebend erwiesen.

2004 gegen Peter Leko das Ergebnis 7,0 - 7,0 Unentschieden Kramnik behält seinen PCA-Weltmeistertitel gegen Peter Leko.


Die Weltmeisterschaften der FIDE

FIDE-Schachweltmeisterschaften 1993-–2005

Nachdem die FIDE den amtierenden Weltmeister Kasparow und seinen ermittelten Herausforderer Short disqualifiziert hatte, wurde zeitgleich mit dem PCA-Weltmeisterschaftskampf eine FIDE-Weltmeisterschaft durchgeführt. Dies war der Beginn einer bis 2006 dauernden Spaltung des Weltmeistertitels. Die FIDE veranstaltete in den Jahren 1996, 1997-1998, 1999, 2000, 2001-2002, 2004 und 2005 weitere Turniere mit dem Titel Weltmeisterschaft. Der 1998 eingeführte Knockout-Modus stieß bei vielen Spielern und in der Schachwelt nicht auf ungeteilte Zustimmung und kam 2004 das letzte Mal zur Anwendung. Die Bestrebungen, die konkurrierenden Titel zu vereinigen, wurden 2006 zum Erfolg geführt..


Nach dem Garri Kasparov eine andere Schachweltmeisterschaft mit einigen besten Schachspieler der Welt gegrundet hatte, bekam Anatoli Karpov den Fide-Weltmeistertitel.


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